20170128-SM-A510F--thingstocome-space

Seit mehr als dreißig Jahren bin ich Science-Fiction-Fan, und die Sonderausstellung in der Deutschen Kinemathek zum Thema Science Fiction Film stand schon geraume Zeit auf der Wunschliste – vergangenes Wochenende haben der Liebste und ich uns also auf den nicht allzu weiten Weg nach Berlin gemacht, um uns die Ausstellung anzusehen.

Das Museum, dessen primäres Thema die deutsche Film- und Fernsehgeschichte (Ost wie West) ist, liegt direkt im SONY Center am Potsdamer Platz und ist sehr gut zu erreichen. — Wer nicht per Bahn oder Bus kommt, dem sei das Parkhaus am Gleisdreieck als günstiger Ausgangspunkt empfohlen.


20170128-SM-A510F--thingstocome-filmhaus

Ich war vorher noch nicht in der Deutschen Kinemathek, und so sahen wir uns nicht nur die Sonderausstellung, sondern das ganze Museum an.

An der Kasse / Garderobe mussten wir Jacke und Rucksack abgeben, und dann wurden wir gefragt, ob wir das Museum schon kennen . Nach Verneinen wurde uns geraten, das Museum von oben nach unten durchzugehen – es erstreckt sich über 4 Stockwerke. Dazu gleich mehr. Erst mal ein Wort zur Eintrittskarte (7 Euro fand ich keinen überzogenen Preis für das interessante Museum und seine Exponate):

20170131---thingstocome-ticket

20170131---thingstocome-ticketback

Traurig fand ich, dass man beim Besuch der Sonderausstellung nur das „ganz normale“ Ticket der Kinemathek bekommt, und keinen Sonderdruck mit wenigstens dem Motiv des Ausstellungsplakats / Flyers. Dass sowas nicht immer geht (weil z.B. auch parallel bis letzte Woche noch eine Ausstellung zu Tatorten lief) verstehe ich, dennoch fehlte es an Memorabilia für den ausgeprägten SciFi- und Sonderausstellungsfreak. Auch im Museumsshop gab es neben dem Ausstellungskatalog nur eine einzige, nicht sonderlich inspiriert gemachte Postkarte zur Ausstellung (mit dem orangenen Aufdruck des Ausstellungsflyers). Gerade bei solchen Popkultur-Themen verschenkt hier das Museum Chancen für gutes Merchandising – sehr schade.

Am Samstagmorgen gegen 10 Uhr, kurz nach Öffnung, war noch nicht allzu viel los, was wir als angenehm empfanden. So blieb genug Zeit, in der normalen Ausstellung mal Knöpfchen zu drücken, die alte Kameras in Bewegung setzten, sich den Spiegeltricks des Museumsgestalters mit offenem Mund hinzugeben, sich liebevoll gebaute Dioramen von Drehorten anzusehen, und auch ein wenig in die Geschichte von (natürlich) Metropolis einzutauchen, das mit seinen heute gar nicht mehr so phantastisch wirkenden Entwürfen einer modernen Metropole ebenso wie mit seiner Robotergestalt auch bestens ins SciFi-Thema passte, dort aber seltsamerweise fast gar keine Erwähnung fand.

Ein von Movation (@movatxn) gepostetes Video am

Überhaupt war die Auswahl – die bei einem so resigen Thema natürlich schwierig ist – für mich oft schwer nachzuvollziehen.

Gegliedert ist die Ausstellung nach Themenbereichen:

  • Der Weltraum / Space
  • Die Gesellschaft der Zukunft / The Society of the Future
  • Das Fremde / The Other

Und hier ergab sich, dass der Tipp, oben anzufangen, uns genau in umgekehrter Reihenfolge durch die Science-Fiction-Ausstellung führte – nicht nur aus inhaltlichen Gründen eher suboptimal. Denn der erste Abschnitt – Space – hat unter anderem eine filmische Installation zum Thema Schwerelosigkeit, die sehr schön in eine Art Fenster nach draußen eingebaut ist; diese liegt aber an einer sehr schmalen Stelle im Zugang zur restlichen Ausstellung. Um sie wirklich vollständig sehen zu können, muss man dort stehenbleiben, und versperrt damit nicht nur den Zugang für neu hereindrängende Besucher, sondern steht auch noch als Barriere vor einem Schaukasten mit (filmischen) Raumanzügen; beides anzusehen, ohne für andere Besucher ein Hindernis zu sein, ist effektiv bei mehr als drei Personen unmöglich.

Barrieren sind überhaupt ein gutes Thema. Die Ausstellung reicht durch verschiedene kleine Räume, häufig mit Sackgassen, ist also nicht als Rundgang absolvierbar, manche Teile führen Treppen hinauf oder hinab. Sicher ist mit Hilfe der Zugang auch für entsprechend eingeschränkte Besucher machbar, aber barrierefrei geht anders.

Womit ich noch zu einem weiteren Kritikpunkt käme: die in allen Themen teils mehrfach vorhandenen filmischen Zusammenschnitte, die Aspekte des jeweiligen Oberthemas beleuchten sollen, sind zwar interessant, die Quellen kann man sich aber nur erschließen, wenn man in dunklen Räumen sehr kleine, kaum lesbare Täfelchen abliest. Die Informationen hätte man auch erheblich zugänglicher in die Zusammenschnitte einblenden können.

Große Anziehungspunkte waren naturgemäß die Räume, die sich mit dem Fremden, vulgo den Aliens befassten.

20170128-SM-A510F--thingstocome-giger

20170128-SM-A510F--thingstocome-lebensecht

Alien

Ein von Movation (@movatxn) gepostetes Foto am

Von Alien bis Mars Attacks. von A.I. bis The Signal reichte die Bandbreite bei den Fremden; viel Fünftes Element  und naturgemäß auch etwas 2001 und 2010 tauchte auf, an anderen Stellen kam (natürlich) die Raumpatrouille und selbstredend auch Star Trek und ein wenig Star Wars zum Zug, und doch verwunderte mich die starke Beschränkung der Auswahl dann – Star Trek-Uniformen und Phaser-Replikas mögen ja Hingucker sein, aber welchen Bezug haben sie zu den Kernthemen? Was hätte man aus Raumpatrouille, oder vielleicht auch Serien wie Alien Nation, Babylon 5, Firefly hervorheben können? Bedauerlicherweise ist die Ausstellung nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich zerstückelt, ein Flickwerk von Ideen und guten Ansätzen, das aber für mich als halbwegs belesenen und filmisch beschlagenen Fan der Materie nicht wirklich zusammenwächst.

Ich bin am Ende zwiegespalten. Things to Come war durchaus interessant; ich habe einiges gesehen, das ich einfach nur cool fand, und ein paar Inspirationen (und Filmtitel für die To-Watch-Liste) mitgenommen. Letztlich bin ich aber auch ein wenig enttäuscht oder sagen wir, underwhelmed,  Vielleicht kann man mehr von so einer Ausstellung nicht erwarten; vielleicht ist das Thema einfach zu groß, um es erschöpfend, und zusammenhängend abzubilden? Ich weiß es nicht.

Lohnen tut sich die Ausstellung für Science Fiction-Fans auf jeden Fall; ich würde dazu aber zur Sicherheit als Begleitung den AudioGuide empfehlen, und/oder eine Taschenlampe, um ein paar der an seltsamen Stellen angebrachten Infotafeln zu finden. – Wer es sich anschauen möchte: Die Ausstellung läuft noch bis zum 23.04.2017

20170128-SM-A510F--thingstocome-t1701