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Die Salton Sea, auf Deutsch ebenso sachlich korrekt wie sprachlich seltsam als Saltonsee bezeichnet, ist der größte See Kaliforniens. Die Geschichte dahinter ist recht kurios, denn der See entstand anno 1905 durch einen Dammbruch bei einem anderen Staubecken, wodurch gute zwei Jahre lang das Wasser des Colorado River in die Senke in Südkalifornien lief. Es lässt sich belegen, dass es an dieser Stelle immer wieder Seen gegeben hat, die dann wegen des Klimas verdunstet sind – und genau das passiert auch mit dem aktuellen Gewässer an dieser Stelle. Damals wusste man das aber nicht, und baute riesige Freizeitgelände an die Ufer – Yachtclubs, Marinas, und die Reichen und Berühmten pilgerten an die sonnigen Küsten.

Wir hatten uns die Salton Sea und die sie umgebende Wüste als eines der Ziele für unseren Roadtrip ausgesucht; freundlicherweise war es dann an unserem ersten vollen Tag in den Vereinigten Staaten in der Region auch nicht so heiß, so dass wir den Schlenker von Banning über Palm Springs hinab einmal rund um den See in Angriff nahmen.

Doch erst mal führte die Route Meile um Meile durch plattes Farmland, Orangenhaine, Dattelplantagen, endlose Felder mit Grünzeug, und eine Beschilderung der Attraktion Salton Sea vermisste man ebenso wie sinnvolle Hinweise auf den State Park dort. Irgendwann erhaschten wir auch Blicke auf den See, bis wir schließlich an einer effektiv toten Marina an der North Shore ankamen.

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Hier gab es tatsächlich ein intaktes (modernes) Besucher“zentrum“, das aber genauso wenig einladend war wie der Rest. Beeindruckend waren nur die riesigen Mengen toter, verdorrter Fische am „Strand“, eine Novität, die sich aber nach ein paar Minuten und Fotos abgenutzt hat.

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In der Luft lag dann auch der Geruch von totem Fisch, gepaart mit dem brackigen, kunstdüngerangereicherten Aroma des Sees. Verweilen mochten wir hier nicht.

Und so fuhren wir weiter, an einer leicht zu übersehenden Zufahrt zum State Park vorbei, der aus ein paar Schotterstreifen und einem Campground sowie ein oder zwei Infotafeln zu Bird Watching zu bestehen schien. Bird Watching ist an diesem langsam sterbenden See neben Angeln anscheinend die Haupt-Beschäftigung, zumindest die Wasservögel profitieren von der ansonsten ökologischen Katastrophe der Salton Sea.

Auch einige Angler haben wir gesehen, meist neben einem RV, um das herum Hunde liefen. Irgendwie kann ich mir ja schöneres vorstellen, als bei 30 Grad in nach Tod und Chemie stinkender Luft toxischen Tilapia zu angeln. Immerhin haben wir einen Schwarm des lokalen Wood Stork gesehen. Aber das Faszinosum Salton Sea wollte sich uns nicht erschließen. Also weiter…

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Schaut man Berichte über den See, ist vor allem immer die Rede von Bombay Beach und den verfallenden Häusern dort.

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Ja, es sind verfallende Häuser. Aber wirklich spannend ist es nicht. Abgewatzte, von Sonne, Hitze, Wind ausgebleichte Holzhäuser kann man im Südwesten der USA überall sehen. Und das vielleicht Eigenartigste daran: die Orte an der Salton Sea sind nicht wirklich tot, nicht abandoned. In Salton City und selbst in Desert Shores stehen sogar große, augenscheinlich teure Neubauten, aber auch in Bombay Beach gibt es sichtlich genug Gebäude, die bewohnt sind – der Unterschied nach Außen besteht oft nur darin, dass ein modernes Auto zwischen dem ganzen alten Gerümpel im Vorgarten steht.

Viele Orte. von denen man liest, sind nicht oder nur sehr schwer zugänglich, einiges (wie die Mud Pools) liegt auf Privatgelände (und Trespassing möchte man wirklich nicht als Tourist). Vor allem aber fällt auf, dass die Salton Sea eigentlich null erschlossen ist – das Sonny Bono Salton Sea National Refuge ist ein Naturschutzgebiet, aber spannend geht anders.

Dafür gurkt man dann durch eine von Rindermastanlagen (für den großen Schlachthof bei Brawley) geprägte Landschaft, die im Süden nahtlos in den urban sprawl von Brawley / Mexicali übergeht, unterbrochen nur von Grenzkontrollposten entlang der Route beiderseits des Sees, die wohl auf illegale Einwanderer und/oder Drogenhandel spezialisiert sind. Und zum Geruch von totem Fisch und Chemie gesellt sich dann noch der von Gülle.

Möglicherweise kann man (mit einem Guide, und viel Zeit) an der Salton Sea auch spannende Dinge entdecken, etwa auf der alten Salton Sea Naval Base – wenn ich es auch nach dem Sichten dieses Videos bezweifle.

Uns konnte das alles nicht begeistern.

Der Ausflug fühlte sich nach gigantischer Zeitvergeudung an, und so saßen wir am Ende auch in Desert Shores,. am Ende einer sandigen Piste, die irgendwann mal zu einem Seeufer geführt hat, starrten auf den See, aßen eine Banane, und beschlossen, nach dem halben Tag abzubrechen, und weiter in den Joshua Tree Nationalpark zu fahren.

Mein Fazit zur Salton Sea:  muss man nicht haben.

Schaut euch stattdessen lieber die Videos dazu auf Youtube an, das ist unterhaltsamer, man sieht alles Wesentliche, und spart eine Menge Lebenszeit und gefahrene Meilen.