„Lass uns zu unseren Müttern fahren.“

Famous last words.

Es kommt nicht allzu oft vor, dass wir ein richtiges ™ Wochenende haben, eines das Freitag Nachmittag beginnt, und Sonntag Abend endet. Das liegt daran, dass der Liebste meist an Samstagen arbeitet. Also lag es nahe, die Tour zu seiner und meiner Mutter zu machen – rund 1100 km Roundtrip, Extratouren nicht eingerechnet. Und es fing alles auch ganz wunderbar an… vergangenen Freitag Mittag packten wir unser exorbitantes Lightpacker-Gepäck – hier mein Teil davon – ins Auto, und fuhren los.

Ready for the weekend

Mal wieder so ein richtiger Wochenendtrip, das fehlte uns schon ein Weilchen. Mal rauskommen, vielleicht irgendwo einen EarthCache suchen, ein bisschen Ingress. Spaziergang in der Pampa, etwas gemütliches Roadtrippen… das war es, was uns vorschwebte.

Auf den Autobahnen war es erfreulich trocken, und für einen Freitagnachmittag der Verkehr nicht wirklich schlimm; wir kamen am frühen Nachmittag bei meiner Mutter an, hatten Zeit, uns ausgiebig über unseren bevorstehenden gemeinsamen Trip nach Südostasien auszutauschen („brauche ich eine Regenjacke? Was muss ich denn mitnehmen?“), und landeten schließlich im lokalen Thai-Restaurant. Thai-Essen ist für meine Mutter auch neu, und ein bisschen macht mir das Sorgen bei dem Trip, aber zu unserer großen Freude entpuppte sich die Küche dort als gut und recht authentisch, und auch meine Mutter war damit happy. Alles gut also.

Am Samstag sollte es weiter gehen, in die Tiefen des Odenwaldes. Nach einem für unsere Verhältnisse späten Frühstück, bzw. in meinem Fall einem Kaffee, rollten wir weiter. Doch auf der A4, zwischen Bad Hersfeld und Kirchheim, muckte dann der Passat.


* * * Werkstatt. Motorstörung * * *

Das deutlich hörbare Warn-Ping war begleitet von einem Ersterben der Motorleistung, und so booteten wir auf dem Standstreifen alle Systeme neu, und fuhren weiter. Doch bereits wenige km weiter dasselbe. Und nochmal.

Wir rollten den Berg hinab bis nach Kirchheim, warteten ein Weilchen, liessen alles abkühlen, und googelten zur Sicherheit schon mal die nächsten VW-Werkstätten. Da die in HEF schon um 12 zumachte, entschieden wir, es zu wagen, und bis Fulda weiter zu fahren, wo eine große Fachwerkstatt in Autobahnnähe angesiedelt ist, die bis 14 Uhr aufhatte.

Auf halber Strecke mussten wir erneut halten, erneut booten, und dieses Mal blieb das gelbe Warnlicht dauerhaft an. Na super…

Schön langsam und schonend rollten wir also nun bis zu dem Autohaus, in dem wir supernett und freundlich begrüßt und aufgenommen wurden. Bei einem Kaffee aus der Gastromaschine warteten wir die Diagnose der Werkstatt ab, die letztlich darauf hinaus lief, dass die Druckdose des Turboladers hin war; der Turbolader selbst sei aber auch „verölt und habe Spiel.“ Man könne das jetzt – also nächste Woche, weil die Teile habe man eh nicht da – flicken, oder ganz ersetzen.

(Ich hätte der überaus netten Crew der Werkstatt den Auftrag gegönnt, aber unsere Versicherung transportiert das Kfz nur unrepariert…).

Damit war klar: das Wochenende war durch, denn ohne Auto lief gar nichts. Erst recht nicht der Besuch bei Schwiegermutter in einem abgelegenen Winkel des Odenwaldes. Dank der netten Unterstützung sowohl der Werkstatt als auch unseres Kfz-Schutzbriefs stand gegen 13 Uhr fest, dass der Passat wohl huckepack nach Hause nach Hamburg muss, und wir mit einem Mietwagen. Den konnten wir dann gegen 15:15 in Hersfeld bei Europcar entgegennehmen (wir wurden bei VW abgeholt). Zur Wahl standen ein Skoda Fabia, ein Toyota Auris und ein Opel Meriva. Wir entschieden uns für den Toyota.

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„Fahren wir jetzt B27 bis Drammetal oder die A7?“

Hätte ich mal B27 gesagt… aber ich wollte mir die Tempo 70-Ortsumgehungen und anderen Ortsdurchfahrten auf der Bundesstraße sparen. Autobahn – ein klitzekleiner Umweg, den man aber durch Geschwindigkeit wettmachen kann. Wenn – WENN – es nicht gerade in den Kasseler Bergen stark zu schneien anfängt, während man mittendrin steckt.

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Der Schneefall wurde mehr. Sehr schnell, sehr viel mehr. Die Straße war teilweise spiegelglatt. Um uns rutschten LKWs durch die Landschaft, auf der anderen Straßenseite stand ein Bus in der Leitplanke, LKW-Fahrer zogen fluchend Ketten auf, und vom Laubacher Berg bis zur Werratalbrücke auf der A7 fuhren wir effektiv im Schritttempo. Hinter uns brach dann wohl alles zusammen. Hedemünden bis Göttingen fuhren wir mit Tempo 20… und ab Göttingen war alles grün und getaut. Tiefes Durchatmen auf einem Parkplatz, im Bewusstsein, dass das alles auch ganz anders hätte ausgehen können. Die nicht eben bequemen Sitze des Auris, gepaart mit der Anspannung der letzten Kilometer, hatten uns doch ganz schön verkrampft.

Nach einem kurzen Noteinkauf – eine Flasche Wasser, ein paar Mandeln, ein Abendessen für Hamburg – fuhren wir weiter. Rund um Hannover noch etwas Schnee- und Eisglätte, aber gegen 21 Uhr waren wir dann zu Hause. Gefühlt waren wir seit 3 Tagen unterwegs.

Am Sonntag vormittag haben wir dann noch unseren Mietwagen abgegeben, und es uns daheim auf dem Sofa gemütlich gemacht. Und nun harren wir der Dinge, die da kommen, Geplante Kurztrips an den nächsten freien Tagen fallen ins Wasser – zum einen mangels fahrbarem Untersatz, zum anderen, weil wir erst mal schauen müssen, was uns die bevorstehende Reparatur dann wirklich kosten wird. Zumindest, was das Reisekarma angeht, hat 2016 ordentlich Spielraum nach oben.